Kollateralschäden

Sie kommt immer dienstags und dann sitzt sie vor ihm, sie berührt ihn nicht, er berührt sie nicht, schaut sie nicht an, und sie tut so, als würde sie es nicht bemerken, das ist ihr schon früh leicht gefallen, das stelle ich mir zumindest so vor, alles Andere lässt etwas in mir reißen, unreparierbar, tief […]

Über die Trauer

Ich habe ein Geheimnis. Ich mache heimlich Fotos von Menschen, die sich sehr nahestehen. Doch ich mache sie nicht bloß, weil ich es schön finde, diese Nähe zu dokumentieren, ich bin weder Wissenschaftler noch Fotograf. Diese Nähe geht mich ja gar nichts an. Ich mache sie, damit ich sie denen, die zurückbleiben, geben kann, nach […]

Über die Schuld

Ich erinnere mich noch genau an das Gesicht des Hausmeisters. Ich hatte, mit klopfendem Herzen weil verboten, eine der dicken weißen Beeren von einem der Sträucher auf dem Schulhof gepflückt, mit einem Stampfer zum Knallen gebracht, und er hatte es gesehen. Zehn Pfennig Strafe sollte ich nun zahlen. Ich hatte aber keine zehn Pfennig, denn […]

Über eine Soziologie des Vorübergehens

Die Welt, 2015, 2016, 2000irgendwas. Distrophierte, nackte Unterschenkel. Hautkrankheiten. Kurzgesagt: die neue, aggressive Sprache des Bettelns. Dunkle Augen an Körpern, deren ausgestreckte Gliedmaßen, die ihre Funktion schon vor langer Zeit eingebüßt haben müssen, jeden Schaufensterbummel oder sonstigen Konsumschub zum Hürdenlauf der Schritte und Blicke machen. Bloß nicht hinschauen; treffen sich die Blicke, hat man verloren. […]

Leichtigkeit des Seins, 2. Akt: Allegro con brio

N iko Faust ahnt seit seinem achten Lebensjahr, dass es durchaus Gründe geben kann, sich das Leben zu nehmen. Ob er es auch einmal tun würde, da ist er sich bis heute nicht sicher, und darum verwundert es nicht, dass, als die Stimme am Telefon bedauerte, man hätte vor Juli keine Termine mehr frei und […]