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Leichtigkeit des Seins, 1. Akt

Meine Stimme klingt über den ganzen Platz,
klar und weit,
damit ich mich nicht selbst verliere,
damit es auch die hören,
die nicht wissen wollen, wo sie stehen;

du sagst, Erzähl’ mir was über dich,
und ich sage dann,
Da gibt es diese Geschichte,
in der ein Mann einem Jungen
die Waffe an den Kopf hält
und ihn dazu zwingt,
glücklich zu werden

doch dann schweigst du,
schaust mich bloß an,
und dann erzähle ich nicht mehr.

Ich erzähle dir nicht,
dass mancher Gedanke
ein Schwert ist,
so groß,
dass man es
mit beiden Händen fassen muss;

dass ich es schwinge,
im Kreis, jetzt,
schon immer und immer schneller,
damit seine Spitze nicht wieder
auf mein Herz zielt.
Ich kann es fast nicht halten
und kralle mich doch daran fest:
Schild, Waffe und Feind zugleich.

Ein Hochseiltänzer mit seiner Stange.

Und doch sitzt du da,
an meinem Tisch
und hörst
von einer Welt,
die steht auf Füßen,
die schimmern von Weitem wie harter Beton
(zwar nur scheinbar,
doch das kümmert dich nicht).

Du siehst mein
Segel aus Worten,
das ich für dich setze,
das sich wölbt,
in meinem Atem,
und du denkst, es sei
der Wind, der nur mir gewogen ist —
und du hältst dein Segel noch hinein
und lachst,
weil die Wolken sich verziehen,
das Meer sich glättet,

und da!, blauer Himmel,
Windstille,
doch du ziehst voran und
wunderst dich nicht;
fragst nicht: Wie kann das sein?,
merkst nicht: Ich atme mich in die Atemlosigkeit —
und andere noch dazu.

Ich zeige dir meine Welt, die
von Weitem schimmert
wie Beton, scheinbar;
ihre Füße sind bloß
aus Lehm,
der niemals ganz trocknet;

Füße, die nur so lange halten,
bis ich mich verliere, bis ich
wieder atmen muss,
nicht mehr kann,
mich neu forme, dich,
tausendfach,
heimlich —
während ich dir zuschaue, wie du
mit Lauten, die du Worte nennst,
durch deine Welt taumelst,
gleich einer fallenden Litfaßsäule.

Und du zeigst sie jedem,
deine lauten, kahlen Ideen
vom Glücklichsein,
vom Besserwerden,
vom Selbstverwirklichen,
und du zeigst auf dein Plakat, doch
dein Plakat ist leer und
deine Schritte schnell,
schneller als das Leben selbst,
das muss so sein,
Physik,
sonst kippst du vornüber,

und im Taumel ins Vorne,
von dem ich nie weiß, wo das sein soll,
rufst du mir etwas zu,
ins Hinten,
wo ich
immer stehe,
immer bin,
immer war,
doch ich kann dich nicht verstehen,

denn ich muss mich konzentrieren,
mich festhalten,
an mir, an dieser Stange,
von der ich dir nicht erzählen darf —

von der ich nicht einmal weiß,
ob sie nicht der Abgrund ist.

Dies ist der erste Teil des Projektes Leichtigkeit des Seins. Hier geht es zu den anderen Teilen (wird aktualisiert): Leichtigkeit des Seins, 2. Akt: Allegro con brio

5 Kommentare

    • Irini Stivaktakis sagt

      Ich habe so lange gezögert, war so unsicher, habe aus der Versform Fließprosa gemacht, dann wieder in Verse umgeschrieben, mich wieder nicht getraut, das zu veröffentlichen, weiter gewartet … deshalb ist mir dein Danke ungeheuer viel wert.

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